Diese, auf einen seit dem Mittelalter bestehenden Dorfverbindungsweg zurückgehende Bernstorffstraße, hieß „Hermsdorfer Weg“ und seit dem Ausbau um 1905 zur Straße
städtischer Art „Hermsdorfer Straße“. Zum sechsten August 1937 wurde sie zusammen mit dem gesamten Straßenzug bis zum Oraniendamm in „Waidmannsluster Damm“ umbenannt.

Nachdem man den weiter nördlich verlaufenden neuen Waidmannsluster Damm fertiggestellt hatte, wurde 1979 der bisherige ebenerdige beschrankte Bahnübergang zur jetzigen „Wilhelm-Blume-Allee“ geschlossen und die Straßenführung unterbrochen.

Durch diese Unterbrechung hatte der Abschnitt zwischen Berliner und Buddestraße bereits zum sechsten August 1977 den neuen Namen nach Johann Heinrich Graf von Bernstorff (1852-1939) erhalten. Er war als deutscher Diplomat seit 1890 in Konstantinopel (Istanbul) und europäischen Ländern eingesetzt. 1903 war er Botschafter in London, während des Ersten Weltkriegs in Washington. Zur Zeit der Weimarer Republik war er Ehrenvorsitzender der Deutschen Demokratischen Partei und 1921-28 Mitglied des Reichstags. 1926-30 wirkte er als deutscher Delegierter für Abrüstungsfragen in Genf. 1933 musste er in die Schweiz emigrieren, wo er in Genf starb.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 1/3

Siehe Berliner Straße Haus-Nr. 103-104.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 2

Siehe Berliner Straße Haus-Nr. 101-102.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 4

Das viergeschossige Vorder-Mietwohnhaus errichtete 1905,
auf einer von ihm erworbenen Parzelle, der Maurer- und Zimmermeister August Conrad, der in Hennigsdorf ein Baugeschäft und Dampfsägewerk betrieb. 1912 ließ er vorn links einen Laden einbauen, der 1938 in eine Wohnung zurückgebaut wurde.

1926 wurde an der freien Giebelwand, in Richtung Berliner Straße, eine große Reklame-inschrift mit dem „Bolle“-Firmensymbol angebracht: „Täglich frisch / wie die Milch / ist die / Bolle / Margarine“. 1963 befand sich rechts in einem Ladenraum ein Münzwaschsalon und um 1980 eine Chemische Reinigung, die 2002 immer noch bestand.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 5

Das kleine zweigeschossige Wohnhaus ließ die Lehrerin Frl. Margarethe Oelschig im Jahr 1896, vermutlich nach Entwurf des Maurermeisters C. Buschow (Berlin N), durch die Tegeler Bauunternehmung Gustav Müller Söhne erbauen. 1995 wurde beim Umbau zum Ärztehaus das zweite Obergeschoss aufgesetzt.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 6/8

Das viergeschossige Vorder-Mietwohnhaus ließ 1905 die „Baugenossenschaft des Vereins der Angestellten der Großen Berliner Straßenbahn eGmbH“ durch das Unternehmen W. Frost (Friedenau) erbauen. Im Adressbuch von 1913 sind nur Straßenbahn-Schaffner mit ihren Familien als Wohnungsmieter eingetragen.

In dem ganz rechts gelegenen Laden befand sich um 1963 das „Blumenhaus Tegel“, um 1970 der Haargroßhandel von Wolfgang Wirtz und später das „Haarhaus Tegel“ von M. Marksteiner.

Die alte Gebäudefassade mit Maskenverzierungen ist erhalten.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 7

Bauherr und Ausführender dieses viergeschossigen Mietwohnhauses, mit rechts gelegenem Seitenflügel, war 1906 das Baugeschäft Franz und Karl Degen in Plötzensee. Im Erdgeschoss befand sich 1913 der Kolonialwarenladen von J. Prey.

Später waren hier die Schuhmacherei Heinz Wecker (1955), Nähmaschinen Erich Krnek (1962) und „Wäschetruhe“ Gardinen von G. Nitsche (1971).

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 9

Dieses Wohnhaus wurde ebenfalls 1906, mit einem auf dem Hof hinten links gelegenen Stallgebäude, von den Gebrüdern Degen (siehe Haus-Nr. 7) erbaut. 1907 ließ der Töpfermeister Paul Töpfer das Stallgebäude in Arbeitsräume für seine Töpferei umbauen.

1920 war hier die Werkstatt des Kürschnermeisters Otto Hartwig, eine Gerberei. 1930 wollte sich hier die Kupferschmiede von Hermann Scholz ansiedeln, musste aber wegen Versagung der behördlichen Genehmigung aufgeben.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 10

Das viergeschossige Mietwohnhaus aus dem Jahre 1906, mit linkem Seitenflügel, wurde von den Bauunternehmern Ferdinand und Emil Böttcher auf einer von ihnen erworbenen Parzelle, nach Entwurf von Franz Anger (Tegel), errichtet.

Der alte Fassadenschmuck ist erhalten. Um 1954 befand sich im Erdgeschoss ein Tabakwarenladen von Emil Dietze.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 11

1906 stand hier ein, von den Gebrüdern Degen (siehe Haus-Nr. 7) erbautes viergeschossiges Vorder-Mietwohnhaus, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der Schadensgrad betrug 95,72 Prozent.

Das heutige viergeschossige Mehrfamilienhaus wurde 1954, nach Entwurf von Hans Steinert (Tegel), erbaut.1983 baute man das Dachgeschoss zu Wohnzwecken aus.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 12

Dieses spiegelbildlich zum Nachbarhaus Nr. 10 gestaltete Mietwohnhaus, mit einem rechts gelegenen Seitenflügel, errichteten 1906 ebenfalls die Unternehmer Böttcher nach Entwurf von Franz Anger. Der Fassadenschmuck ist nicht erhalten.

Im Ladenraum befand sich 1960 die Drogerie E. Machalowski. 1963 das Seifengeschäft Margarete Wendland, 1969 die Boutique „Snobby Dress“ von Gerda Schmidt und 2003 ein Laden für Hobbyarbeitsbedarf. 1987 wurde das Dachgeschoss zu Wohnungen ausgebaut.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 13

1903 war hier ein Lagerplatz des Baugeschäfts Gustav Müller. Das viergeschossige Mehrfamilienhaus mit 18 Wohnungen und zwei Läden wurde 1964, nach Entwurf von Henry König (Hermsdorf), erbaut. In den Ladenräumen befand sich um 2010 links der Fotokopier- und Lichtpausbetrieb „Speedy“ und rechts das „Elektrohaus Tegel“, ein Elektrogerätehandel.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 13a

1909 war hier der Lagerplatz des Tegeler Baugeschäfts Gustav Müller. Mit einigen bereits vor 1909 erbauten Schuppen und Gewerbegebäuden an der hinteren Grundstücksgrenze. Dort stand auch ein Wohnhaus mit zwei Obergeschossen. Wegen der Wohnungsnot wurden die dortigen fünf Wohnungen erst 1964 abgerissen.

Das jetzige zweigeschossige Gebäude wurde 1955 von Georg und Elisabeth Werner als Lichtspieltheater, nach Entwurf von Hans Bielenberg (Berlin), durch die Philipp Holzmann AG erbaut und am 17. Dezember 1955 unter dem Namen „Teli“ (Tegeler Lichtspiele) mit dem Film „Rosen im Herbst“ eröffnet. Der Zuschauersaal umfasste 660 Sitzplätze. Es waren zwei Bildwerfer des Fabrikats Ernemann Xr vorhanden.

1971 zog nach Schließung des Kinobetriebs zeitweise das Kepa-Kaufhaus ein, als dessen Gebäude in der Berliner Straße Haus-Nr. 100 neu gebaut wurden. 1973 wurde ein Selbstbedienungsladen der Albrecht KG „Aldi“ eingerichtet. 1977 wurde hier eine Filiale des Bodenbeläge- und Tapetenhandels „Wand und Boden“ eröffnet, die 2002 von „Frick für Wand und Boden“ übernommen und im Frühjahr 2003 geschlossen wurde. Seitdem gab es unterschiedliche Nutzungen.

2009 erfolgte ein Umbau für den Laden von „Alnatura Super-Naturmarkt“. Für die „Aufwertung des Umfeldes“ vergab 2010 die Jury des „Reinickendorfer Bauherrenpreises“ eine Belobigung.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 14

Das viergeschossige Mietwohnhaus, mit links gelegenem Seitenflügel, ließ 1906 der Installateur Adolf Hüfner, nach Entwurf von Franz Anger (Tegel), errichten.

1947 war hier die „Puszta-Schänke“, ein ungarisches Restaurant von Arpad Ecsy, 1957 die Kneipe „Bären-Pils vom Faß“ von Wilhelm Stoltz. 1974 der „Kindl-Pils-Ausschank“ und ab 2003 das Restaurant „Zum Faß“.

Im rechts gelegenen Laden befand sich 1980 ein Wollegeschäft, ab 2003 das „Suk-Hees Kosmetik-Studio“.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 16

Anstelle früherer Schuppen entstand 1959 das fünfgeschossige Wohnhaus nach Entwurf von Hans Steinert (Tegel).

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 18

Das viergeschossige Mietwohnhaus mit Ecktürmchen wurde 1907 erbaut. Im Adressbuch von 1913 wird der Königliche Hofbackofenbauer P. Moritz als Eigentümer genannt.
1990 baute man das Dachgeschoss zu Wohnungen aus.

 

Bernstorffstraße Haus-Nr. 20

Hier war das ehemalige Parkhaus des alten „Tegel-Centers“ (siehe Gorkistraße Haus-Nr. 11/21) mit der Ein- und Ausfahrt. Neben dem Wohnhaus Buddestraße Haus-Nr. 28 stand früher, östlich der Gleise, ein kleines Häuschen aus der Zeit um 1950 für die Schrankenwärterin der „Reichsbahn“. Die mit der Handkurbel die Schranken über die bis 1979 weiterführende Straße betätigte.